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Peter Müller: Schichauwerft 1945-1972


Die Schichau-Werft von 1945- 1972
                                 von Peter Müller
Ursprünglich wurde die Schichau-Werft in Elbing 1837 als Maschinenanstalt gegründet. Ab 1854 wurde der Eisenschiffbau aufgenommen. Durch die Produktion von Schiffsmaschinen und Torpedobooten erwarb sie sich einen guten Ruf.
1890-1892 begann in Danzig der Bau einer modernen Werft für Großschiffbau, auf der dann später viele bekannte Kriegsschiffe , Fracht-und Passagierschiffe entstanden.
1929 wurde das Unternehmen durch das damalige Deutsche Reich und Land Preußen vor dem Konkurs bewahrt. Nach 1935 setzte wieder der Bau von Kriegsschiffen ein. Es wurden Torpedoboote, Fangboote, U-Boote vom Typ VIIC und später vom Typ XXI gebaut.
Schichau Elbing baute bis 1945 151Kleinst-U-Boote vom Typ "Seehund", die Königsberger Schichau-Werft reparierte U-Boote und baute 24 Minensuchboote.
Parallel dazu wurden aber auch monatlich 40 Lokomotiven, über 400 Geschütze und eine große Anzahl von Kettenfahrzeugen für die Hitler-Wehrmacht gebaut.
Mit insgesamt 44.000 Beschäftigten gehörte die F.Schichau GmbH damals zu den größten deutschen Industrie-Unternehmen.
Kurz vor Kriegsende und kurz vor der Besetzung durch die russische Armee wurden die Werften evakuiert.
Schon Anfang 1945 war vorsorglich versucht worden, Teile von Schichau nach Bremerhaven zu verlagern, wo am Kaiserhafen II ein kleiner Reparaturbetrieb eingerichtet werden sollte, doch diese Pläne durchkreuzte der Krieg.
Stattdessen wurde am Neuen Hafen mit einer kleinen Gruppe ehemaliger Schichauer ein neuer Betrieb aufgemacht und in der damaligen Zeit wichtige Reparaturen durchgeführt. Vom alten Inventar war nur ein 3000-t-Schwimmdock nach Lübeck abgeschleppt worden, dort aber von der britischen Besatzungsmacht beschlagnahmt worden.
Hermann Noe ging gemeinsam mit alten Mitarbeitern daran, den Wiederaufbau des Betriebes auf dem früheren Schuchmann-Gelände zu organisieren.
Nach Freigabe des Schiffbaues durch die  Alliierten 1950 konnte auch dieser Bereich wieder nach und nach aufleben. Da aber Helgen und Slips als Bauplätze fehlten, mußte man sich auf kleinere Schiffe wie Schlepper und Fischkutter, aber auch längere Binnentanker beschränken, die in der neuen und ungewöhnlichen Form eines Stapelhubes mit Kränen ins Wasser gesetzt wurden.
Außerdem verhalten Umbauten z.B. zu Viehtransportern ebenso weiter wie das Reparaturgeschäft, bei dem das zurückerworbene und auf 4.000 t Tragfähigkeit erweiterte Schwimmdock eine wesentliche Rolle spielte.
In der Linie der alten Maschinenbau-Tradition begann 1950 die Entwicklung der völlig neuartigen und daher technisch wie kaufmännisch risikoreichen vollautomatischen, lichtgesteuerten Großbrennmaschinen mit der Bezeichnung "Schichau-Monopol" und "Schichau-Quadruplex". Zu ihnen gesellte sich später noch die computergesteuerte "Codimat".
1952 gingen die Aktien der F.Schichau GmbH an die Bundesrepublik über, die damals an die Liquidation der Firma dachte. In letzter Minute entschloß sich aber die Familie Noe zum Kauf dieser Anteile, um das weltbekannte Unternehmen zu retten. Für Hunderte alter Mitarbeiter wurden dadurch die Arbeitsplatz gesichert.
Die Führung der F.Schichau GmbH übernahm Hermann Noe jr.
Zwischen 1945 und 1972 baute Schichau 123 Schiffe, darunter 104 Schlepper (wie z.B. die "Atlantic"), wovon die Hochseebergungsschlepper "Oceanic" und "Arctic" mit je 17.500 PSi über lange Zeit die stärksten Bergungsschlepper der Welt waren (die Schiffsrümpfe wurden bei der Rickmerswerft gebaut).
1961 baute die Schichau Werft das Lotsenschiff "Kapitän Hilgendorf" mit Dieselelektroantrieb. Das Schiff hatte eine Länge von 55,10 m, war 9,50 m breit und besaß einen Tiefgang von 4,15 m.
Bereits 1971 wurde bei Schichau im Neuen Hafen der Hochseeschlepper "Fairplay IX" gebaut.

1972 ging Schichau im Rahmen der staatlich verordneten Konzentrationsbestrebungen eine Fusion mit der Unterweserwerft zur SUAG ein.

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